Mit dem Hausboot durch Berlin und Brandenburg

Viele werden jetzt müde lächeln, aber für uns war die eine Woche mit dem Hausboot durch Berlin und Brandenburg ein Abenteuerurlaub. Ich finde es ja eh schon krass, dass man ohne jede Vorkenntnis und ohne jemals ein Boot gesteuert zu haben, ein 3,60m x 10.60m (und 3,60m hoch) Hausboot mieten kann und nach 1h Einweisung am Boot und einer knappen Stunde Theorie bereits den Hafen verlässt. Ok, der Motor ist auf 15 PS beschränkt und somit schafft unser „PAX auf Floss“ gerade mal 6-10 km/h, aber vor allem beim Anlegen im Hafen zwischen den ganzen Luxus-Yachten kann man auch mit wenig Schwung viel Schaden anrichten. Um es vorweg zu nehmen, wir haben das Hausboot nach einer Woche wieder am Stück zurückgebracht mit nur minimalen Verlusten!

 

Das Boot und Technik

Wir haben uns für ein Hausboot vom Hersteller Nautilus entschieden, die eher kleineren Modelle kann man chartern, zum Kauf werden auch noch größere und teurere Modelle angeboten. Unser Schiff, die Nautino Maxi, ist für bis zu 6 Personen ausgelegt, dann wohnt man dort aber wie die Sardinen – ich fand die Größe für 2 Personen genau richtig.

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Das Boot ist im Prinzip wie ein kleines Apartment eingerichtet: Betten, Dusche, WC, Spüle, Gasherd, Fernseher und so weiter. Das Boot kommt mit 400L Frischwasser und kann bis zu 600L Abwasser aufnehmen. Mit einer kleinen (und lauten) Pumpe wird das Frischwasser auf dem Boot verteilt. Einen Boiler für Warmwasser und eine Heizung gibt es natürlich auch noch. So kann man es aushalten und wir hatten an Land schon viel „einfachere“ Unterkünfte. Es empfiehlt sich aber in Häfen die Duschen und WCs zu benutzen und so die eigenen Ressourcen an Bord zu schonen.

Unser Boot was schon etwas älter, wie uns ein paar Verschleißerscheinungen gezeigt haben. Wir waren aber voll zufrieden und hatten auch viel Verständnis, dass wir ohne jegliche Vorkenntnisse nicht das neueste Boot bekommen haben.

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Angetrieben wird das Boot mit einem 15 PS Außenbordmotor wie man ihn auch von kleineren Booten kennt. Bei einem 4m x 11m Boot bedeutet das auch ein Wendekreis wie ein Walross, drehen auf dem Teltowkanal nur mit einer klassischen 3-Punkt-Wendung! Das erschwert vor allem das Anlegen im Hafen. Während andere Boote mit Querstrahlsteueranlagen quasi auf der Stelle drehen oder ihr Schiff beliebig quer in Parklücken schieben können, machen wir mit unserem Hausboot „Pax auf Floss“ wilde Drehungen und Kurven, erst recht wenn es auch noch fiese Strömungen oder Winde gibt, mitleidige Blicke vom Ufer inklusive. Sicherlich kann man das mit mehr Übung verbessern, aber ein Bug- oder Heckstrahlruder kann das nicht ersetzen.

Unsere Bootsbesatzung von nur 2 Personen war auch etwas knapp. Während eine Person am Steuer bleiben muss, bleibt nur eine Person übrig um das Boot am Steg festzumachen. Während man das Boot z.B. vorne gerade festmacht, treibt es mit dem Heck garantiert bereits Richtung der teuren Yacht nebenan. Ideal wären mindestens 3 Personen um das Boot immer zeitgleich an zwei Punkten fixieren zu können. Zu zweit erfordert jedes Manöver eine gute Absprache und Koordination, ist aber machbar!

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Neben all der nautischen Romantik muss aber auch mal erwähnt werden, dass man auch einigen Giftstoffen ausgesetzt ist. Der Tank des Motors wird aus dem Kanister nachgefüllt und dabei atmet man genau die Dämpfe ein, die seit 15 Jahren an der Tankstelle aufwendig abgesaugt werden. Auch fährt man immer mal wieder einem dicken Schlepper hinterher, dessen Abgase garantiert jeden 30 Jahre alten Dieselmotor locker in den Schatten stellen.

Eine weitere Einschränkung ist, dass es auf dem Hausboot ohne Fahrtwind bei gutem Wetter schnell sehr warm wird und bei schlechtem Wetter kann man nicht mehr fahren, aufgrund der Windanfälligkeit gilt ab Windstärke 4 bereits ein Fahrverbot! Wenn man dann an einem schönen Sommerabend im Hafen liegt und alle Luken öffnet zum Lüften, kommen die Mücken! 😉

Der Vollständigkeit halber seine hier auch noch ein paar andere Hausboot Typen erwähnt, aber nicht alle sind unbedingt fahrtauglich. Je größer, desto schwieriger wird es mit Brücken und passenden Anlegeplätzen in Häfen:

 

Strecke und Häfen

Ein Glück hatte ich eine kleine aber perfekte Crew an Bord. Das Boot war immer vorbildlich gepflegt, die Leinen griffbereit und stets perfekt in jedem Hafen festgemacht!

Nach der Übernahme des Boots ging es direkt los! Wir sind ca. 10km vom Werlsee zum Dämritzsee gefahren und haben am Dämritz Seehotel festgemacht um dort zu Essen und die Nacht zu verbringen. Dank eines erfahrenen Helfers am Steg ist das erste Anlegen ganz gut geglückt. Das Essen war sehr lecker und wir hatten eine ruhige erste Nacht an Bord. Am nächsten Morgen haben wir im Hotel geduscht und sind dann zeitig los.

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Wir hatten eine lange Tour vor uns. Über den Müggelsee in die Spree und dann in den Teltowkanal bis zum Hafen Steglitz, gute 30km. Insgesamt hat alles super geklappt und im Hafen Steglitz konnte man mit viel Platz an den Anlegesteg heranfahren. Der Hafen ist sehr klein und ruhig, quasi ein Geheimtipp. Die Ausstattung ist eher einfach aber ausreichend und die Besitzer waren sehr nett und hilfsbereit.

Am Abend ging es dann zur Hochzeitsfeier von Marion und Rico, ein schöner Abend mit abenteuerlichen Taxifahrten. Nach einer kurzen Nach auf dem Boot, hat es sich angefühlt, als wären wir schon 4 Tage unterwegs.

Am nächsten Tag ging es dann gleich weiter in die erste Schleuse (mehr Details unter „Erfahrungen“) und dann weiter nach Potsdam zur Marina am Tiefen See. Auch hier waren die Gastliegeplätze sehr gut und von außen zugänglich und wir haben ganz ordentlich angelegt. Der Hafen ist wirklich sehr nett, mit einem Restaurant, Palmen und frischen Brötchen am Morgen! Da es uns hier sehr gut gefallen hat, direkt nebenan ist auch noch eine Bio-Company, sind wir zwei Nächste in Potsdam geblieben und haben noch eine Ausfahrt in die untere Havel gemacht und waren gemütlich in Potsdam spazieren und Essen.

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Von Potsdam aus ging es dann nach Norden unter der Glienicker Brücke durch, an der Pfaueninsel vorbei und die Havel entlang bis zum Grunewaldturm. Ganz wichtig natürlich eine langsame Runde durch den Wannsee vorbei am Haus der Wannseekonferenz, den unendlichen Yachthäfen und natürlich dem berühmten Strandbad Wannsee.

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Da das Wetter inzwischen richtig warm war bei über 30°C war Karo auch überwall im Wasser… Havel, Wannsee und Müggelsee – wobei der Müggelsee ganz klar die beste Wasserqualität hatte.

Nach der klassischen Wannsee- und Havelrunde hatten wir uns im Hafen Kladow für die Nacht angemeldet. Hier haben wir uns nicht so super geschickt angestellt, zu schnell reingefahren und dazu kamen Wind und Strömung (die Havel ist halt schon ein echter Fluss). Nur mit Mühe konnten wir eine Kollision mit den teuren Yacht nebenan vermeiden, ist aber zum Glück alles gut gegangen und es hatte auch niemand zugeschaut.

Da der Steg für unser Floss zu hoch war, mussten wir hier die Fender etwas kreativ festbinden, dank einer tollen Crew kein Problem. Der Hafenmeister war der beste auf der ganzen Fahrt, ein echtes Berliner Urgestein – super nett! 🙂 Der Hafen Kladow ist dagegen ein reiner Ausflugsort, perfekt ausgelegt auf die regelmäßig einlaufenden Dampfer mit überwiegend älteren Gästen. Bei der Hitze konnte man es im Biergarten aber ganz gut aushalten.

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Über Nacht war es immer noch sehr heiß und man konnte es nur am geöffneten Fenster (mit Mückenschutz) aushalten. Kurz vor 22h kam dann ein unglaublich lautes Party-Boot mit einer türkischen Hochzeit in den Hafen eingelaufen. Offenbar war es eine Karaoke-Feier, der pure Horror! Vor Schreck erstarrt haben wir beobachtet, wie das Boot im Hafen angelegt hat… und dann gleich wieder weitergefahren ist. Das war knapp! Wieder hinaus auf der Havel wurde das Boot dann (inzwischen nach 22h) von der Wasserschutzpolizei gestoppt und kurz danach war die Musik dann aus. Schade für das Brautpaar und die Gäste, aber Glück für uns. Danach hatten wir eine ruhige Nacht, aber insgesamt muss man nicht im Hafen Kladow gewesen sein. War auch der einzige Hafen ohne eigenen Duschen und Toiletten.

Nun war die halbe Tour bereits rum und wir haben uns auf den Rückweg durch den Wannsee, den kleinen Wannsee und viele kleine Seen und Kanäle zurück in den Teltowkanal gemacht. Als Übernachtung hatten wir uns im Hafen Tempelhof eingebucht, der wunderschön hergerichtet wurde (war früher ein echter Industriehafen) mit Shopping-Mall und Restaurants. Ich hatte den Hafenmeister am Telefon falsch verstanden und so haben wir nicht da angelegt, wo er uns geparkt haben wollte. Der für uns vorgesehene Platz wäre aber ohne Querstrahlruder sehr sehr schwer anfahrbar gewesen und zum Glück durften wir so liegenbleiben. Insgesamt war Tempelhof der engste Hafen zum Parken… aber uns war es auch etwas zu voll und zu laut. Wir würden Tempelhof das nächste mal auslassen und lieber noch mal in Steglitz übernachten.

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Da für den nächsten Tag ab Mittag schwere Gewitter angesagt waren, sind wir sehr früh los über Teltowkanal, Spree und Müggelsee zurück zum Dämritz Seehotel. Unterwegs haben wir auf dem Schiff mit eine Lotusgrill ein kleines BBQ gemacht. Der Lotusgrill ist ganz süß und darf auf Booten benutzt werden, aber das ist kein „Grillen“. Ein paar wenige Stücke Holzkohle erhitzen eine kleine Metallplatte. Im Prinzip ist es eher „Braten“ statt „Grillen“ – wie man die kleine Metallplatte erhitzt ist eigentlich egal.

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Während wir zum Grillen geparkt hatten, bot sich uns auch die Gelegenheit einem Boot zu helfen. Ein Hamburger Pärchen mit einer schicken Yacht hatte einen überhitzten Motor und musste erstmal festmachen. Wir haben etwas Platz gemacht und dann den Hamburgern beim Einparken in die enge Lücke geholfen. Danach noch etwas geschnackt und ein paar Tipps und Tricks abgegriffen.

Am Dämritz Seehotel hatten wir mal wieder einen typischen Fall von Anlegen mit Hektik… zu schnell angefahren, falsche „Tipps“ vom Steg (der erfahrene Kollege vom ersten mal war nicht da) und von hinten kam ein Ausflugsdampfer der natürlich nicht wartet… naja, war wohl unser schlechtestes Anlegemanöver, aber ist alles gut gegangen. Das Essen war wieder super… das angekündigte Gewitter mit Sturm war aber nur ein kurzer Regenschauer, der leider keine Abkühlung gebracht hat.

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Da wir das Boot bereits um 9h am nächsten Morgen zurückgeben mussten, sind wir wieder früh gestartet und durch die wunderschönen Kanäle in Köpenick gefahren. Mit vielen guten Vorsätzen und den Erfahrungen der Woche haben wir dann unser bestes Anlegemanöver hingelegt. Bei der Bootsübergabe wurden wir für den guten Zustand und Sauberkeit des Bootes gelobt, Fender und das kleine fehlende Stück Holz wurde als Kleinigkeit eingestuft.

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Erfahrungen

Auf dem Boot gilt wirklich „mit Ruhe und Gemütlichkeit“, sobald ein Manöver vorher nicht abgesprochen wurde oder nur ein Fünkchen Hektik aufkommt, wird es nicht gut! Das Schleusen an der Kleinmachnow Schleuse hat prima funktioniert. Beim ersten mal waren wir fast alleine in der Schleuse, haben uns festgehalten (nicht festgebunden!) und sind wieder rausgefahren – easy!

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Auf dem Rückweg war es deutlich voller und wir waren gerade beim Festmachen am Warte-Steg als uns zugerufen wurden, dass wir noch mit reinkommen sollen. Also schnell wieder los… BÖÖÖÖÖP, genau so geht es schief. Während ich einfach vom Steg wieder abgefahren bin, hatte sich hinten ein Fender zwischen Boot und Steg hochgequetscht, an einer Krampe (da macht man sein Boot fest) ein Loch gerissen und durch den fehlenden Fender und weil ich zu stark eingelenkt hatte, hat sich das Boot mit dem Heck gegen den Steg gedrückt und dabei ein kleines Stück Holz von der umlaufenden „Holz-Stoßstange“ verloren. Durch den Schrecken war es dann in der Schleuse auch noch etwas hektisch, wir kamen als letztes Boot rein und hatten eigentlich nix mehr um uns festzuhalten – hat aber trotzdem irgendwie funktioniert und wir sind wieder souverän aus der Schleuse rausgekommen.

Wir hatten alle Häfen vorher angerufen und reserviert. Vermutlich hätte es auch irgendwie ohne Reservierung geklappt, aber so muss man nicht lange hin und her schippern um einen Platz für die Nacht zu finden. Es empfiehlt sich die Hafenmeister anzurufen, moderne Kommunikationsmittel wie eMail oder das Reservieren per Web-Formular werden teilweise angeboten, aber dann komplett ignoriert.

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Es lohnt sich auch immer mal direkt neben das Boot im Wasser nach Seegras zu schauen.  Sehr schnell kommt man in flaches Wasser ohne es zu merken und wenn sich dann plötzlich das Motorengeräusch verändert und der Vortrieb weniger wird, hat sich vermutlich Seegras um die Schraube gewickelt. Also Motor aus und nach hinten das Seegras wieder rausziehen, ein Glück war unsere Schraube aussen am Boot und gut zugänglich und nicht unter dem Boot verbaut. Auch hier kommt dann leichte Hektik auf, da man ja ohne Motor auf dem Wasser treibt und natürlich nicht noch weiter ins Seegras rein möchte.

Sehr verwundert waren wir, wie viele Boote so unterwegs sind und wie wenig Tankstellen es gibt! Wir haben genau eine Wassertankstelle südlich von Potsdam gefunden und dort auch erstmal richtig getankt. Ein zweites mal bin ich am Hafen Tempelhof mit einem leeren Kanister zur nächsten Tankstelle gelaufen. „Is für’t Boot, wa?“ – man war dort auf die Hafen-Kundschaft bereits eingestellt.

Die wichtigste Lektion ist tatsächlich – und ich habe sie erst viel zu spät gelernt – man kann an einen Steg oder Liegeplatz gar nicht langsam genug heranfahren! Erst zum Ende habe ich mich dazu gezwungen so langsam wie möglich „heranzutreiben“ und dann klappt es auch smooth und easy. Mit dem Boot den Punkt anvisieren, wo die Crew direkt auf dem Steg springen kann und dann das Boot gemütlich in die Parklücke zieht. Jegliches Fahren, Lenken und Schub hin- und her … wird nix! Was allerdings gut geklappt hat, ist das Boot, wenn es schräg am Steg steht, vorne festzumachen und dann mit etwas Motorkraft das Heck geschmeidig an den Steg heranzuziehen.

 

„So langsam hört das Schaukeln auf!“

Nachdem wir am Ende der Woche das Boot wieder (an einem Stück) am Heimathafen festgemacht hatten, waren wir erstmal erleichtert. Während das Fahren und Leben auf dem Boot pure Entspannung war, war das Anlegen und Festmachen in jeweils unbekannten Häfen und immer wieder ein Stressfaktor.

Wieder an Land ist es tatsächlich so, dass man meint, gerade im Bett beim Einschlafen oder Aufwachen, sich noch auf dem schwankenden Boot zu befinden. Erst nach drei Tagen hat das Schaukeln bei mir wieder aufgehört.

Ein paar Tage später überwiegen die Erinnerungen an das entspannte und unabhängige Leben an Bord, das tolle Wetter (Berlin ist ja vor und nach unserer Woche abgesoffen) und die netten Menschen die wir getroffen haben. Nächstes Jahr geht es erstmal wieder weiter weg in den Norden, aber ich glaube wir werden wohl irgendwann mal wieder auf dem Boot Urlaub machen.

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Pfannkuchen / Eierkuchen ohne Ei und ohne Milch

Klingt verrückt, ist aber lecker! Hier erstmal die Zutaten:

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  • 175g Mehl
  • 250ml kaltes Wasser
  • 1 Prise Salz
  • 1 Packung Backpulver
  • 100g Zucker
  • 1 Packung Vanillearoma oder Vanillezucker
  • Öl zum Braten

Alle Zutaten zügig und ausgiebig zu einem glatten Teig verrühren, am besten mit einer KitchenAid oder ähnlichen Geräten. Dann bei mittlerer Hitze und etwas Öl die Pfannkuchen anbraten bis sie goldbraun sind.